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Tatort Baltrum – Der letzte Container
Vorwort
Die Überraschung an meinem 58. Geburtstag war überwältigend: Eine Filmkritik aus berufener Hand zu unserem Urlaubs-Projekt in Buchform als Geschenk zu erhalten. Mein Dank geht deshalb zunächst an Dr. Ortwin Thal, den professionellen Filmkritiker, der sich mit seinem Geschenk auf die Ebene des Amateurfilmes begeben und mir und sicher auch allen anderen Mitwirkenden ein bleibendes Geschenk bereitet hat. Da ich mich gerade - nicht so überraschend - auf Baltrum aufhielt, konnte ich es nicht lassen, mit diesem Buch der abends auch im "Sturmeck" zwanglos anwesenden Bürgermeisterin der Insel Baltrum, Antje Wietjes-Paulick, einen Kurzeinblick in die recht detaillierte und zu weiteren Aktivitäten anregende Filmkritik zu gewähren.
Sie reagierte darauf wie auf das gesamte Tatort-Projekt schon immer: Mit anerkennendem Interesse, aber auch zustimmender Annahme der darin dieser kleinsten aller sieben ostfriesischen Inseln ausgesprochenen Hochachtung.
In der Tat war es gerade auch die kommunalpolitische Leitung dieser Insel, die das Projekt von Anfang an ideell und durch unvoreingenommene Öffnung aller ihr zugänglichen Ressourcen und Kontaktchancen massiv gefördert und unterstützt hat, ohne von vornherein über eine detaillierte Projektbeschreibung oder auch nur ein ausgeformtes Drehbuch das Risiko für das eigene Image oder etwaige technische Pannen detailliert einschätzen zu können.
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Bekannt auf Baltrum und bei seinen Repräsentanten ist allerdings seit Jahren der Trägerverein des Tatort-Filmprojektes "Inselfreunde Baltrum e.V.", dessen Gründungsvorsitzender Martin Brüker sogar eigenhändig den Abschluss-Song in Wort- und Bild inszenierte und produzierte und dessen aktueller Vorsitzender Christian Militz ebenfalls mit Rat, Tat und Absicherung des Haftpflichtrisikos wesentliche Unterstützung leistete. So dürfte für das Geburtstagsgeschenk im Wesentlichen gelten, was für das Projekt "Tatort Baltrum - Der letzte Container" insgesamt galt: Der enge kommunikative Kontakt auf dieser kleinen Insel ermöglicht immer wieder neue Projekte, die eigentlich UNMÖGLICH erscheinen mögen. Gute Kommunikation auf kurzen Wegen im engen persönlichen Kontakt der beteiligten Insulaner, Mitarbeiter und Gäste ist der Schlüssel für den Erfolg einer Idee, die aus dem Austausch individueller Einfälle und Interessen geboren die Engherzigkeit eines nur selbstbezogenen Individualismus überwinden ließ und ein Projekt ermöglichte, dessen kommerzielle Transformation für alle unerschwinglich geblieben wäre.
Die liebevoll beäugten Mängel, Macken und Skotome, die der Kritiker im Folgenden gnadenlos darlegt, sind uns Ansporn und Chance für eine stetige Verbesserung unserer Projekte. Keiner der Beteiligten hätte die Chance, sich neben seinem Beruf kurzfristig einer studienähnlichen Film-Ausbildung zu unterziehen, aber dankbar nehmen wir die sachlich begründete, im Einzelfall belegte Fachkritik entgegen, wenn der unbestechliche Kritiker sich die Mühe macht und mit viel Aufwand und Engagement sozusagen zu uns "ins Haus" kommt. Eine Einladung an die Original-Drehplätze im nächsten Sommer könnte so möglicherweise dazu beitragen, einen neuen "Inselfreund Baltrum" zu gewinnen. Es bleibt also spannend auf der Insel ! Dr. Peter Meyer
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Projektziel
Der im Jahre 2008 fertig gestellte Krimi „Tatort Baltrum – Der letzte Container“ war Gegenstand einer Fachsimpelei zwischen dem Produzenten / Regisseur Dr. Peter Meyer und mir, die schnell zu einem Projekt heranwuchs. Und so entstand im Sommer 2010 eine Filmanalyse in Buchform, die das bescheidene Ziel verfolgte, dem „Macher“ zu seinem Geburtstag 2010 ein Geburtstagsgeschenk auf den Tisch zu legen, das den enormen Aufwand eines sich über Jahre erstreckenden Vorhabens angemessen würdigt. Peter Meyers Wunsch, das „Buch zum Film“ im Web zu präsentieren, hielt ich indes nicht für machbar. Buch ist Buch und eine Präsentation im Web hat halt andere Ansprüche, besonders visuelle. So beschlossen wir, die ‚Vorlage’ für einen filmdidaktischen Elfmeter zu nutzen, der die Möglichkeiten und Grenzen einer Amateur-Produktion gründlich ausloten sollte – mit noch mehr Bildern und einem didaktischen Konzept, das die formalen Ansprüche an einen Film näher beleuchten sollte. Dabei interessierte ich mich weniger für den Inhalt, also für Ideen, Figuren, die Handlung und den Plot, sondern für die Technik. Wie plant man die Dreharbeiten für eine Szene? Schafft man es, ausreichendes Material für den Bildschnitt (Montage) zu liefern? Was für Regeln muss man beachten und wann sind Regelüberschreitungen zulässig?
Fiktive Filme erzählen Geschichten und schon stecken wir mitten im Dilemma. Wer am Sonntagabend einen TATORT sieht, konzentriert sich auf die Handlung und noch mehr auf die Frage “Wer ist der Mörder?” Der Zuschauer versteht den Film, ohne pausenlos zu analysieren, wie er gedreht und geschnitten wurde. Warum? Er hat es gelernt. Film ist einerseits das Erzählen von Geschichten, andererseits ist er eine Sprache mit einer eigenen Grammatik. Während der menschliche Spracherwerb auf genetischen Dispositionen und der individuellen Sozialisation aufbaut, gibt es für das Verstehen von Filmen kein entsprechendes Gen.
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Der Medienwissenschaftler Dr. Ortwin Thal promovierte 1983 in Osnabrück mit einer Arbeit über Realismuskonzepte in Kino und Literatur. Seit Mitte der 70erJahre schrieb er über 15 Jahre lang Filmkritiken für die Fachzeitschrift „medien und erziehung“ und wirkte als Drehbuchautor, Regisseur und Filmeditor an der Produktion zahlreicher Industriefilme, Dokumentationen und Lehrvideos mit.
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Die Grammatik des Films wird ausschließlich über die kulturelle Sozialisation erworben und dank der dabei erworbenen Decodierungstechniken können wir die vielen Einzeleinstellungen einer Filmszene in unserem Kopf zu einer Geschichte zusammenfügen. Vor einiger Zeit besuchten deutsche und türkische Medienforscher einige Bergdörfer der Südtürkei. Die dort lebenden Menschen besitzen nicht die geringste Medienerfahrung. Als ihnen Filmclips vorgeführt wurden, machten die Forscher die Erfahrung, dass es keineswegs einfach ist, kurze Filmszenen zu verstehen: Zum Problem wurden vor allem „die typischen Darstellungsmittel wie Wechsel der Kameraperspektive im Gespräch, Zeitsprünge zur Zusammenfassung des Geschehens oder auch der Wechsel zur Perspektive des Hauptdarstellers“. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlicht: http://pss.sagepub.com/content/21/7/970.abstract und http://pressetext.de/news/100717009/filme-ansehen-erfordert-spezialwissen/."Bewegtbilder zu verstehen ist Teil der heutigen Sozialisation", betonte in diesem Zusammenhang Michael Bloech vom Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Um dieses Verstehen nun auch wirklich verstehen zu können, muss der Film, den man so mühelos versteht, analysiert werden. Und Analyse bedeutet, etwas in seine Bestandteile zu zerlegen. In all die unterschiedlichen Einstellungen und Kamerabewegungen, die beim Bildschnitt nach bestimmten Regeln zusammengesetzt werden, damit in unserem Kopf eine Geschichte entsteht, die wir ‚verstehen’ können. Im Folgenden haben Peter Meyer und ich am Beispiel ausgesuchter Szenen des Baltrum-Krimis dieses ‚Zerlegen’ methodisch recht anschaulich geplant: einem ‚Making of’ von Peter Meyer folgt ein praxisnaher Kommentar von mir, der durch einen fachlichen Teil ergänzt wird. Dieser fachliche Teil soll in einige Grundregeln des Filmemachens einführen. Viel Spaß dabei! Dr. Ortwin Thal
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An dieser Stelle noch von Peter Meyer und mir, quasi unbekannterweise, ein Dankeschön an das Krimi-Team. Wie man sieht, standen viele gute Geister hinter der Kamera und trugen zum kreativen Gelingen bei. Auch dieses Web-Projekt ist das Ergebnis einer kreativen Zusammenarbeit - und zwar von Peter Meyer und mir und es soll in den nächsten Monaten weiterentwickelt werden. Das erste Update wurde im September 2011 veröffentlicht. Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle der tollen Grafikerin Jasmin Wojcik, die uns mit ihren Grafiken zum Coverage-System sehr viel Freude bereitet hat! Danke und viel Spaß beim Durchstöbern der Site! O.Thal
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